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Freitag, 10. Dezember 2010

Geben Ist Besser Als Nehmen

Mit offenem Mund hötre ich von von dem an dem Nachmittag geplanten Weihnachtseinkauf eines unserer "neusten" Mädchen im Father`s House. Sie lebt erst seit wenigen Monaten mit uns und wir mussten sie regelrecht von der Straße freikämpfen. Zusammen mit ihren unzähligen Brüdern und ihrer durchgedrehten Mutter lebte sie am Straßenrand in einem Pappkarton. Bei unseren nächtlichen Straßeneinsätzen, war sie immer treu an unserer Seite und sog jede Form von Zuwendung hungrig auf. Zur Schule war sie noch nie gegangen. Ihr Vater wurde, nachdem er vor ca. 2 Jahren aus einer langen Haft entlassen war und abermals krimminell wurde, von der Polizei in einer Nacht- und Nebelaktion erschossen. Das Mädchen war auf der Straße extremen Gefahren ausgesetzt, darum nahmen wir sie eines Tages auch gegen den Willen der Mutter, mit. Die Kleine war es gewöhnt schwer verkloppt zu werden und schreckte am Anfang jedes Mal zusammen, wenn ihr Name gerufen wurde. Mittlerweile geht sie in den Kindergarten und lernt langsam Lesen und Schreiben. Ihr Ehrgeiz kennt keine Grenzen.
Nun wollte sie einen Weihnachtseinkauf machen und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, als mir bewusst wurde, dass sie ihr ganzes Taschengeld, das sie der Zeit im Father`s House erhielt, konsequent an die Seite getan hatte. Alle unsere Kinder bekommen nach Alter gestaffelt ein kleines wöchentliches Taschengeld, um sich mal Süssigkeiten oder andere Dinge leisten zu können. In ihrem Fall beträgt das Taschengeld ca. 80 Cent in der Woche. Sie hatte davon Sag und Schreibe an die 10 Euro gespart gehabt und sich genau überlegt, was sie mit dem Geld machen wollte: ein Geschenk für jeden ihrer Brüder zu kaufen und für ihre Mutter! Gesagt, geplant, getan! Noch am gleichen Tag kaufte sie, in Begleitung unerer Sozialarbeiterin, mit Begeisterung und genauer Überlegung Geschenke ein: einen Kamm für die Mama, einen Kettenanhänger für einen Bruder, ein kleines Spielzeug für den weiteren Bruder u.s.w. Sogar für den Bruder, der mit seinen 18 Jahren wegen Mordes im Gefängnis festgehalten wird, kaufte sie eine Kleinigkeit. Bei unserer Weihnachtsfeier mit den Familien unserer Kinder, wird sie die Geschenke geben können. Wir Mitarbeiter sind zutiefst berührt von der Haltung und Liebe unserer Kleinen!