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Freitag, 19. November 2010

Aus Dem Loch


Ich erinnere mich noch genau an das dunkle Loch, in das ich gegangen bin...feucht, stickig, heiss und beissende Gerüche von Schweiss und Urin. Ein Gefängnis in Manila. Ein Kindergefängnis, auch wenn es lediglich eine Auffangstelle für streunende Kinder und andere Strassenschläfer sein soll. Einmal drin, kommt man erstwieder raus, wenn man "abgeholt" wird. Aber was macht ein 7 jähriger Knirps dessen Eltern ihn nicht zu vermissen scheinen und der sich allein auf der Strasse durchschlägt. Wenn der geschnappt und eingelocht wird, dann ist er erstmal verschwunden. So ist es Maries Bruder passiert. Marie sollte unter der Brücke auf ihn aufpassen und dann war er plötzlich weg. Ihre Mutter machte ihr einen wahnsinns Stress, als sie nach ein paar Tagen unter der Brücke wieder auftauchte und nur noch ihre Tochter vorfand. Es sei alles Maries Schuld. Der Kleine war nirgends aufzufinden. Dann haute die Mutter auch wieder ab. Marie blieb allein unter der Brücke zurück mit einem elendig schweren Gewissen.



Tage verstrichen. Marie fühlte sich so einsam und verlassen mitten unter vielen Menschen, die auf Manilas Strassen leben oder vorbeifahren. Sie lebte vom Betteln und konnte sich durchschlagen, doch Angst und Verzweiflung waren ihre ständigen Begleiter. Eine ältere Strassenschläferin beobachtete Marie und entschied sich, etwas für das KInd zu tun. Sie kannte das Father's House und nahm Marie eines Tages an die Hand und brachte sie bei uns vorbei. Natürlich dauerte es nicht lange, bis wir Maries Geschichte erfuhren. MIt Hilfe unserer Sozialarbeiterin setzten wir alle Hebel in Bewegung, um den kleinen Bruder ausfindig zu machen. Und tatsächlich: wir wurden fündig in der Megastadt von 15 Millionen Einwohnern und zehntausenden von Straßenkindern. So stieg ich also in dieses Loch, um den kleinen Mann aus dem "Kerker" zu erlösen. Er kannte mich nicht, aber war mehr als glücklich zu hören, dass seine Schwester bei uns ist und ich gekommen sei, ihn mitzunehmen. Er war klein, mager und mit offenen Wunden, die sich später als Krätze heraustellten, übersäät. Ich wollte schon mit dem Jungen an der Hand losstapfen als der Sozialarbeiter der Einrichtung hinter mir herkam. "Da ist noch ein Mädchen," sagte er und deutete mit seinem Kopf in die Ecke des Raumes. " Die ist schon so lange hier und wir wissen nicht, was wir mit ihr machen sollen. Sie kann nicht sprechen, weil sie taub ist!" "Oh, no...", dachte "und jetzt?" Das Ende vom Lied war, dass ich mit beiden Kindern an der Hand zurück ins Father's House marschierte. Unsere Mitarbeiter waren durch einen kurzen Anruf von mir vorgewarnt, dass ich noch jemanden mitbringen würde. Wie meisten, öffneten sie ihr Herz und die Father's House Tür WEIT für ein weiteres KInd in Not. Marie war überglücklich, wieder mit ihrem kleinen Bruder vereint zu sein.
Nach viele Monaten tauchte auch die Mutter der beiden mal bei uns auf. Sie war dankbar, dass es ihren Kindern gut ging. Dann haute sie wieder ab und ging ihrem Strassenleben nach. Maries Bruder war voller Aggression. Einmal ging er sogar mit einem Küchenmesser, dass er ausder Küche geklaut hatte, zur Schule. Gott sei Dank fiel das einer Mitarbeierin auf und sie konnte einen Ausbruch von Gewalt verhindern. Die Mutter kam hier und da. Während Marie die Besuche gut verkraftete und sich keinen Illusionen hingab, was die Verantwortlichkeit ihrer Mutter betraf, war es für den Jungen schwierig. Er wollte bei seiner Mama sein und bat, dass wir ihn gehen lassen. Wir ahnten nichts Gutes, aber überliessen ihn seiner Mutter, die uns natürlich beteuerte, sich gut um ihn zu kümmern. Das das nicht funktioniert hat, brauche ich nicht zu schreiben. Im Gegensatz dazu blühte Marie auf. Sie erlebte die liebende Nähe ihres Vaters im Himmel und fand im Father's House ihr Zuhause.
Letzte Woche rief mich eine Mitarbeiterin früh morgens um Hilfe. Marie hatte furchtbare Bauchschmerzen. Es war uns gleich klar, dass es sich um einen Notfall handelt und brachten sie ins nächste Krankenhaus. Es wurden einige Untersuchungen gemacht und eigentlich stand es fest, dass es sich um eine akute Blinddarmentzündung handelte. Es dauerte aber noch 6 Stunden bis sie schließlich uterm Messer lag. Der Blinddarm war bereits geplatzt. Die Tage nach der OP waren kritisch. Marie hatte Fieber und war scwach. Viele unserer Freunde weltweit beteten wie die Weltmeister für Marie. Immer wenn Marie etwas zu sich kam, wünschte sie sich ihre Mutter zu sehen. Die hatte sich schon ewig nicht mehr blicken lassen und wir hatten einfach keinen Schimmer, wo sie sich aufhielt. Sie habe eine Arbeit irgendwo. Irgendwo! Mir gingen gar Gedanken durch den Kopf wie:" was tun wir, wenn Marie nicht überlebt und wir nicht mal ihre Mutter verständigen können?!" Solche Sorgen schnürrten mir den Atem ein. Dann rief sie nichtsahnend im Faher's House an. Nur so. Das macht sie sonst nie. Als sie erfuhr, dass ihre Tochter im Krankenhaus liegt, kam sie gleich vorbei und verbrachte eine ganze Nacht bei Marie. Marie erzählte mir später:" Ich habe so gebetet, dss meine Mama kommt. Dann bin ich eingeschlafen. Als ich die Augen aufmachte, stand sie da!" GENIAL! Gebet funktioniert! Marie erholte sich dann ratzfatz und ist jetzt wieder glücklich im Father's House. Heute kam ihre Mutter sie erneut besuchen und brachte sogar ihren, nun nicht mehr so kleinen, Bruder mit. Wir alle und natürlich besonders Marie, haben einmal mehr Gottes Treue erlebt!