
Ich schaue aus dem Fenster beim Blumengießen und muß schmunzeln: H übt eifrig auf einem unserer Kinderfahrräder das Fahrradfahren. Zuerst eiert er noch etwas herum, aber schnell findet er einigermassen eine Balance.
Seit drei Tagen lebt er bei uns im Father`s House. Etliche Male habe ich das Phänomen erlebt, dass Kinder, die auf der Straße fast "erwachsen" wirken, weil sie volle Verantwortung für ihr Leben (und oft das ihrer Familien!) nehmen, mit der Ankunft im Father`s House voll in ihre Kindheit zurück finden. Die gleichen Kids, die noch Tage zuvor um ihr Überleben kämpfen mussten, die immer übernächtigt und oft mit Drogen benebelt rumliefen, entdecken Ratz Fatz, dass einfaches Spielen so viel Spass macht.Es ist fast nicht zu glauben, dass die gleichen Kinder, die sich zuvor noch an Klebstofftüten berauscht haben und sich mit Schaschlikspießen gegenseitig abstechen wollen, plötzlich vor einer Kiste mit Playmobil oder Lego sitzen

(das wir von einem deutschen Kindergarten gespendet und mit einer Kiste hierher geschifft bekommen haben) und sich im kindlichen Spiel verlieren. Ihr Äusseres verändert sich so schnell, dass ich manchmal vergesse, wie ich sie oft noch vor kurzer Zeit auf der Strasse angetroffen habe. So auch bei H, seine Füsse waren so schwarz verkrustet, dass eine einfache Dusche sie nicht sauber gekriegt hat. Seine Haut ist vernarbt und vergerbt, aber er strahlt mich an von seinem Kinderfahrrad und ich weiss: ALLES KANN GUT WERDEN!!! Ich hole das kleine grüne Spielzeug, das er mir vor einem Jahr auf der Straße geschenkt hatte und H`s Augen strahlen: "das kenn ich! Ich weiss noch genau wo ich dir das gegeben habe!" sagt er und das macht mich echt happy!
