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Sonntag, 21. März 2010

So schnell auf der Welt

In den letzten Tagen bekamen wir die Anfrage, ob wir zwei kleine Jungs aufnehmen können. Beide kennen wir von Geburt an. Der jüngere der beiden wurde in unserem Wohnzimmer geboren. Er fiel unserer Mitarbeiterin Mariana, buchstäblich nach dem Frühstück in die Hände. Wir hatten gerade unseren ersten Kaffee getrunken, als Adri überaschend auf dem Sessel das Licht der Welt erblickte. "Wow, was machen wir mit der Nabelschnur?" Alle Bewohner des damaligen Mädchen Father's Houses in Cubao sprangen aufgeregt durchinander. Im oberen Geschoss waren die Handwerker beschäftig Reperaturen zu machen und hatten keine Ahnung, das sich das Haus zu einer Geburtsklinik verwandelt hatte. Zum Glück gab es auf der anderen Straßenseite eine kleine Klinik von woher wir eine Krankenschwester organisieren konnten. Sie kam und nabelte Adri ganz unkompliziert auf dem Wohnzimmertisch ab unter den Augen vieler neugieriger Mädchen. Ami, seine Mutter sass schon wieder fit und munter auf einem Stuhl, als ob nichts geschehen sei. Wir hatten sie und ihren erstgeborenen Sohn Nic aufgenommen, da sie sich mit den Kindern auf der Straße durchschlug und hochschwanger war. Ihr Freund Den wollte ein guter Vater werden und so nahmen wir auch ihn auf und organisierten eine keine Hochzeit für die Zwei. Leider ging die Sache nicht gut. Den haute irgendwann ab und Ami meinte, ohne ihn nicht leben zu können. Nun mit zwei Kinder gingen sie zurück auf die Straße. Wir hielten über unsere regelmäßigen Besuche bei den Street Kids, Kontakt zu der sehr jungen Familie. Mehr Kinder kamen dazu. Das nächste, ein Mädchen, wurde auf dem Bürgesteig auf einem Pappkarton geboren. Alles "kein Problem", Mutter und Kind wohl auf. Ein weiteres Baby folgte. Mittlerweile wurde Den wegen eines Raubüberfalles festgenommen und kam ins Gefängnis. Ami und die Kids blieben allein auf der Straße zurück und Nic wurde mit seinen 6 Jahren der Ernährer der Familie. Jeden Tag verbringt er auf den Hauptstraßen Manilas, krabbelt in die Jeepneys (filippinische Kleinbusse), um den Leuten die Schuhe zu putzen und Geld zu erbetteln.



Er verdient so mehr als ein ausgewachsener Mann hierzulande auf dem Bau oder mehr als eine Hausangestellte mit einem vollen Arbeitstag verdienen kann. Kein Wunder, dass Straßenkinder nicht zur Schule gehen können. Ihr Verdienst ist ein Vermögen wert für...Doch nun ist Ami am Ende. Sie ist wieder schwanger. "Wie geht denn das?", frage ich mich (immer noch!) naiv "Den ist doch im Gefängnis." Nun, sie besucht ihn regelmäßig und gegen etwas Bezahlung gibt es für kurze Zeit, sogar in den hoffnungslos überfüllten Knästern Manilas ein stilles Örtchen,... viel comfort brauchen sie ja nicht (für teures Geld, das Nic erbettelt hatte!). Wie auch immer, Ami ist jetzt fertig. Vielleicht quält sie auch das schlechte Gewissen? Die Last, die Nöte der Familie zu stillen, liegt auf den zarten Schultern ihres Sechjährigen. Und Nic ist sich seiner Verantwortung bewußt. Wann sein Vater wieder in die Freiheit kommt, ist noch unklar. Es stehen noch einige Verhandlunge aus. Allerdings taucht der Kläger vor Gericht nicht auf und es gibt Chancen, dass Den freigesprochen wird. Wo kein Kläger, da kein Richter.
Wir stehen einmal mehr vor der Frage: "Was sollen wir tun?"