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Freitag, 9. April 2010

Ich bin eine Urgroßmutter



Gerade komme ich von einem Piknick mit einer neuen Gruppe von Straßenmädchen, die wir kennen gelernt haben. Auf der Straße ist es of schwierig länger mit den Kids zu reden, da sie dort sind, um zu Geld zu verdienen oder sie sind derart im Vollrausch, dass sie nicht ansprechbar sind. Aus diesem Grund verabreden wir uns mit ihnen zu anderen Tageszeiten, um Freundschaften zu schließen. Bewaffnet mit gutem Essen, einigen Matten zum Sitzen und einer Gitarre zogen wir heute morgen los. Die Girls warteten schon gespannt auf uns und die Atmo war gut. In einem, der wenigen Parks in Manila schlugen wir unser Lager auf und packten das Essen aus. Als ich in die Runde blickte, erfüllte mich tiefe Dankbarkeit. Zum ersten mal wurde mir richtig bewusst, dass ich geistlich gesehen bereits eine Urgroßmutter bin...WAHNSINN, und das mit 45! Mariana, ist heute eine meiner besten Freundinnen. Vor 20 Jahren, als wir auf die Philippinen kamen, steckte sie selbst noch in Drogen. In unserem Set Free Center hat Gott sie von der Sucht befreit. Ich hatte damals das Vorrecht, sie zum Herrn zu führen und seither ist sie im Vollzeitlichen Dienst. Ihr Herz schlägt für die kaputten Mädchen von der Straße und sie ist für den Strassenkindereinsatz verantwortlich. Mit von der Partie sind aber auch "unsere" jungen Mitarbeiterinen, die vor ca. 8 Jahren noch selbst Straßenkinder waren. Heute sind sie es, die in unseren Diensten nicht wegzudenken sind. Ihre Leben sind neu geworden und das geben sie auf der Straße und im Father`s House weiter. Und dann die kleinen Mädchen, die noch im Sumpf der Straße gefangen sind, aber an der Schwelle zu neuem Leben stehen. In diesem Sinne macht es mir nichts aus im übertragenen Sinne uralt zu sein. Welch ein Vorrecht!



Wir saßen auf der Matte, schmatzten an unserem Hähnchen mit Reis und die Mädchen schütteten ihr Herz aus. Plötzlich blieb mir ein Klos im Hals stecken als M erzählt:" Maren geht jetzt anschaffen!" Maren ist die Freundin der Mädchen und auch gerade mal 13 Jahre alt. Wir kennen sie seit ein paar Monaten. "Sie kriegt 250 Pesos (ca. 4 Euro) oder 400 (ca. 6,50 Euro)...je nachdem. Das Geld gibt sie dann an ihren Pimp ab (eine alte Frau in der Gegend, die die Mädchen händelt). Dafür hat sie immer genug zu essen." Uns fiel allen die Kinnlade runter, denn nachdem was wir bisher wussten, verkaufen diese Girls bisher nur Ernüsse und Blumen an der Straßenecke und gehörten nicht zu den anderen girls, die an der Kreuzung auch zu finden sind. "...Ähhhh...jetzt hat sie ihre Tage nicht gekriegt!" fügte M noch hinzu. Dann gab es einen Themawechsel und die Mädchen wollten nicht weiter darüber reden. Rose packte die Gitarre aus und wir sangen einige Lieder zu Gott. Zum Abschluß beteten wir mit ihnen, was jede dankbar in sich aufsog.
Jetzt sitze ich wieder zu Hause und schreibe meinen Blog. Meine Töchter kommen soeben von der Schule nach Hause und ich will gleich das Abendessen vorbereiten. Ich muss innerlich umschalten. Unser Alltag ist oftmals von scharfen Kontrasten gezeichnet. Wie diese Stadt Manila: elende Armut und Reichtum, Trauer und Freude, pure Lebensfreude und tiefe Verzweiflung, Freundlichkeit und Hass, Protz & Prunk und Dreck & Gestank, Hoffnung & Trostlosigkeit so nah beieinander. Die Begegnungen von heute morgen sitzen mir tief in der Seele.