Manchmal werde ich gefragt, ob ich denke, dass die Situation der Straßenkinder sich in Manila in den letzten 20 Jahren verbessert hat. Schließlich hat sich die Stadt insgesamt etwas entwickelt, was z.B. die Infrastruktur angeht. Schöne, moderne Autos schieben sich neben den immer noch präsenten knattendern und schwarze Dieselwolken ausstoßenden Jeepneys durch den Verkehr. Wahnsinns Kaufhäuser schießen aus dem Boden wie Pilze und sobald sie eröffnet sind, wimmelt es von kauflustigen Menschenmassen. Man hat schon das Gefühl, dass es vielen Menschen mittlerweile besser geht als vor etlichen Jahren und man sich mehr leisten kann. Wenn ich aber über die Straßenkinder nachdenke, empfinde ich ihre Verlorenheit und Armut jetzt um ein vielfaches schlimmer. Heute haben wir es bei unseren Straßeneinsätzen oft mit den Kindern und Kindeskindern von den Street Kids von gestern zu tun. Die Kinder, denen ich vor sechzehn Jahren noch Geschichten auf der Straße erzählt habe,
1994
sind heute selbst Väter oder Mütter von Kindern, die wieder auf der Straße aufwachsen...nun in zweiter oder auch schon dritter Generation. Die Werte, die ohnehin auch damals schon zerbrochen waren, sind heutzutage oft gänzlich zerstört. Stehlen, Körperverletzungen und Prostitution gehören zu ihrem Leben oft schon früh dazu.
Damals waren die sogenannten "Rugbyboys" Jungs im Alter von 15 bis bis 20 (Rugby ist ein Klebstoff, der geschnüffelt wird) .
Heute bietet sich uns oft ein Bild von viel jüngeren Kindern, Mädchen und Jungs zusammen im Vollrausch an einer Tüte oder Flasche hängend.
2008
Für ihre Eltern, die selbst nie Liebe und Fürsorge empfangen haben, ist es sehr schwer, Geborgenheit weiterzugeben. Deswegen ist es für uns im Father`s House auch immer wichtig, nicht nur die Kinder von der Straße zu holen, sondern auch ihre Eltern zu suchen und zu erreichen.