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Sonntag, 25. März 2012

Von Krätze, Läusen und Geschlechtskrankheiten


Genervt steht der kleine Junge mit den rabenschwarzen Fingernägeln neben mir und kratzt sich am Kopf. "Oh!" grinst er mich dann an: "eine Laus!" Er hält das Insekt zwischen zwei Fingern und streckt es mir entgegen. "Äh...besser, du machst die kaputt," sage ich schnell, bevor ich das Vieh auf der Kleidung habe. Natürlich ist mir klar, dass tausende solcher Plagegeister auf den Köpfen der Kids in unserem neuen Drop In Center für Straßenkinder, ihr Unwesen treiben. Fast täglich kommen 40 bis 50 Kinder in THE ROCK, um eine warme Mahlzeit, eine Dusche, gewaschene Wäsche, ein Nickerchen und auch ein offenes Ohr und Gebet zu bekommen. Jedes Mal eine dicke Ballung an verwundeten Seelen und manchem Ungeziefer.
Der kleine Fernando erhofft sich noch eine Dusche bevor wir schließen. Er ist sieben Jahre alt und schlägt sich allein auf der Straße durch. Er hält Mariana seine verwundete Hand entgegen. Sie wäscht und verbindet die kleine Hand mit der klaffenden Wunde. Während sie vorsichtig den verkrusteten Dreck entfernt spürt sie die dicken Schwielen an der doch noch so jungen Hand. Ihre Hände (Mariana ist Ende 50!) erscheinen wie Kinderhände so zart neben den verderbten Händen des kleinen Fernando. Was haben die kleinen Hände nicht schon alles erleben müssen? Sie wirken wie Bauarbeiterhände im Miniformat. Erbärmlich. Zu der klaffenden Wunde, ist sein Körper übersäht mit offenen Wunden vom Kratzen. Kleine Milben bohren sich durch seine Haut: Krätze! Eine Dusche und Antikrätzeseife schaffen Erleichterung. Fernando ist nun regelmässig unser Gast im Rock.
Ein weiterer Junge druckst länger etwas herum, bis er Mariana um Hilfe bittet. "Hmmm, also...ich hab da was. Das tut beim Pinkeln so weh...und ääähhhh...mir geht#s nicht gut!" Mariana schickt den Jungen mit einer Mitarbeiterin zum Doktor. Zu einem Kinderarzt, denn der Junge ist gerade mal 13. Es stellt sich heraus, dass er eine schwere Geschlechtskrankheit hat, die unbedingt behandelt werden muss. Der Arzt ist entsetzt. Das Leben auf der Straße macht kaputt, im wahrsten Sinne des Wortes.
Wir kaufen die teure Medizin, die sich der Kleine nun immer im The Rock abholen kann und wir hoffen, dass sein Leben eine neue Richtung bekommt.