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Sonntag, 22. Januar 2012

Zwei Welten


Es ist halb sieben am Sonntag Morgen. Ich taumel noch etwas schlaftrunken im Father's House herum. Die letzte Nacht war leider kurz. Eigene Schuld, denn ich hätte früher ins Bett gehen sollen. Egal, heute ist Father's House angesagt. Ich schleppe die alte Lego Box von meinem Sohn ins Wohnzimmer, um den kleineren Jungs, falls sie früh wach werden gleich etwas zu Tun anzubieten. Noch bevor ich alle Nachtlichter gelöscht habe, Türen geöffnet und etwas aufgeräumt habe steht der erste kleine Mann vor mir. Ein Grinsen geht über sein verschlafenes Gesicht als er die Lego Kiste entdeckt. Mit Geschepper wird die Kiste entleert. Der Kleine spielt zufrieden vor sich hin. Kurz drauf kommt Thomas und bringt mir einen Kaffee zum Aufwachen. Wir sitzen gemeinsam auf der Bank schlürfen unseren Cappuchino und schauen dem zufiedenenen Männchen im blauen Pyjama zu. Seine Hände sind rau und vergerbt wie die eines alten Mannes. Spuren seiner Vergangenheit. Verschmitzt fragt er durch seine Zahnlücke nach einem Kakao. Unser Geschlürfe hat ihn wohl inspriert und bis zum Frühstück ist es noch ein Weilchen. Ich bereite ihm eine Tasse zu und kann es fast nicht fassen, dass dieser kleine Kerl noch vor wenigen Wochen auf der Straße um sein Überleben kämpfen musste. Er hauste mit seinen Geschwistern am Straßenrand, sein Vater war schon lange tot, seine Mutter verschwunden. Sein erster Kampf nach dem morgendlichen Erwachen neben dem tosendem Straßenverkehr war es Geld für ein Frühstück zu besorgen. Kindheit kannte er nicht. Und jetzt, hockt er da auf dem Fußboden in unserem Wohnzimmer und baut begeistert irgendwelche Roboter wie alle anderen Kinder seines Alters auch. Wobei wir sein genaues Alter nicht einmal wissen. Wir schätzen ihn so auf sieben oder acht. Vermutlich werden wir einfach ein Geburtsdatum für ihn festlegen. Vielleicht nehmen wir den Tag an dem er zu uns kam. Den Nikolaustag in 2011. Auf einmal weicht meine Müdigkeit und ich denke: alles lohnt sich!