Mittwoch, 7. Dezember 2011
Was Ich Vom Nikolaus Lernen Kann
Gestern war der 6. Dezember: Nikolaus Tag! Weihnachten ist immer eine ganz besondere Zeit für uns in dem Dienst unter Straßenkindern in Manila. Das Father’s House wird schon im November festlich geschmückt. Obwohl wir seit mehr als 20 Jahre auf den Philippinen leben, können wir unsere deutschen Wurzeln nicht leugnen. Einige Traditionen sind Teil davon. Eine Tradition ist es, dass wir dem 6. Dezember "Nikolaus-Tag", eine besondere Aufmerksamkeit schenken. Meinen Kindern schenke ich Süßigkeiten mache ihnen kleine Geschenke, auch wenn sie mittlerweile fast erwachsen sind. Unsere Kinder im Father’s House kennen diesen spezielle deutsche Tradition auch schon. Sie stellen einen Schuh in der Nacht vom 5. zum Nikolaus auf die Treppe, damit er über Nacht mit Süßigkeiten gefüllt wird (natürlich wissen sie, dass die Haus Mutter und nicht der „Santa“ vorbei kommt).
Als ich über unsere Traditionen und unsere Liebe für die Weihnachtszeit nachdachte , inspirierte mich die historische Geschichte des Nikolaus. Er verlor seine Eltern auf tragische Weise in jungen Jahren und wuchs als Waise bei seinem Onkel auf. Der Nikolaus ... ein Waisenkind? Ja, es ist offenbar etwas Besonderes an Waisenkindern. Wenn wir die Biographien einiger wichtiger Personen ansehen, die in der Welt außergewöhnliche Dinge erreicht haben oder die besonderen Einfluss hatten (gut und schlecht!), finden wir heraus, dass viele von ihnen früh verwaist waren. Ein jüngstes Beispiel dürfte wohl Steve Jobs sein. Sankt Nikolaus verlor seine Eltern durch eine schreckliche Epidemie. Der Junge war sehr gottesfürchtig und als er Erwachsen war, wurde er Bischof. Er war für seinen Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit bekannt, für sein weiches Herz und für seine Liebe für Kinder. Es gibt viele Geschichten darüber, wie er bemerkenswerte Wunder der Versorgung erlebt hat und wie er den Armen half. Er war ein Mann des Gebets! Erstaunlich, nicht wahr?
Dann sah ich diesen wilden kleinen Stadt Dschungel Boy, der barfüßig auf unserem Father’s House Gelände herumsprang. Er trug riesige, stinkige und zerrissenen Kleider, hatte ein rasierten Kopf und war dünn wie ein Skelett. Ein Straßenjunge, rund acht Jahre alt, der unbedingt mit uns leben will und den wir gerade abgeholt hatten. Am Nikolaustag! Ich kenne seine Herkunft. Sein Vater wurde vor vielen Jahren von der Polizei erschossen, seine Mutter hat sich nie gekümmert. Er wuchs als Jüngster mit seinen Geschwistern auf der Straße auf. Jetzt ist er bei uns. Die erste Dusche gestern Abend war ein Genuss für ihn. So viel Wasser. Vernünftige Seife und saubere Klamotten zum anziehen. Seine erste Nacht in einem großen und sauberen Bett war auch eine neue Erfahrung für ihn. Ein weiteres Waisenkind lebt mit uns. Wer weiß, was erstaunliche Berufungen unserer Kinder haben. Sie haben das volle Potenzial, um große Dinge für Gott tun in dieser Welt. Wenn ich diese Geschichte des Nikolaus überdenke, liebe ich ihn umso mehr!
