
"Kuuuuya Thomas!Aaaaaate Petra!" grölte es heute Morgen hinter uns her. Thomas und ich waren am anderen Ende der Stadt, weil unser Sohn dort an einer Uni einen Aufnahmetest machen musste. Wir vertrieben uns die Zeit bis wir ihn wieder abholen konnten und gingen Kaffee trinken. Es war nett mal an einem anderen Ort der Stadt zu sein und umso überraschter waren wir, unsere Namen auf der Straße zu hören. Es war kaum Zeit, uns umzudrehen, da kam schon eine Truppe wilder Teenager auf uns zugestürmt. Der Wächter von dem Coffee Shop war bereits in Wächterstimmung. Es wirkte wie ein Überfall. Die zerlumpten Gestalten fielen uns um den Hals. Im Schlepptau wackelten zwei Kleinkinder, kahlgeschoren, identisch aussehend, verdreckt, verrotzt mit kritischem Blick hinter der Bande her. Dann fiel der Groschen: “Angie!“ Sie streckte mir ihren dicken, schwangeren Bauch entgegen. Ihr Gesicht wirkte wie das einer alten Frau. Keine Zähne mehr außer einiger schwarzer Stummeln, verklebte, lange Haare, stumpfe Augen…..Blitzschnell versuchte ich ihr Alter zu errechnen… Vor vielen Jahren war sie Kind im Father`s House gewesen. Damals müsste sie so um die dreizehn gewesen sein. Dann lief sie lief weg und wurde von der Straße aufgefressen. Irgendwann wurde sie schwanger. Das Baby verstarb wenige Tage nach der Geburt. Woran es starb, wissen wir nicht, doch Kinder sterben hier schnell, besonders wenn sie von Kindern geboren werden. Angie wurde wieder schwanger, diesmal mit Zwillingen…Genau das waren die Zwillinge, wovon der eine nun schreiend, mit den Füssen trampelnd vor einem Auto mitten auf der Fahrbahn lag. Der Fahrer des schicken Autos reagierte schnell und hielt sein Gefährt an. Angie verzog keine Miene. Sie ging auf die Straße, zerrte den Knaben an einem Arm in die Höhe, der strampelte laut schreiend, ließ sich aber von der Fahrbahn retten.
Wir waren bereits spät dran, denn um 12:00 Uhr sollten wir an der Uni sein, um unseren Sohn abzuholen. Thomas lud die Bande in unser neues Drop In Center THE ROCK ein. Das liegt zwar am anderen Ende von Metro Manila von ihnen aus, aber wer weiß…. Zumindest konnten wir uns wieder auffindbar machen, nachdem wir mit dem Father`s House vor vier Jahren in eine andere Ecke der Stadt gezogen sind, die Angie nicht kennt. Mittlerweile hatte der Wächter es geschnallt, dass uns die wilden Gestalten nichts antun wollten, sondern dass es sich sozusagen um alte Freunde handelte. Schnell suchten wir noch ein Fastfood Restaurant und bestellten der Truppe ein Mittagessen, bevor wir uns auf den Weg machten, um unseren Sohnemann abzuholen.
Ich bin immer wieder fasziniert von Gottes Wegen und wie er jedem einzelnen nachgeht. Er ist einfach Liebe und ich bete, dass Angie mit ihren Kindern und der dazu gehörenden Gang, SEINE Liebe erfährt!
