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Sonntag, 11. Dezember 2011

Ein Sonntagmorgen


"Kuuuuya Thomas!Aaaaaate Petra!" grölte es heute Morgen hinter uns her. Thomas und ich waren am anderen Ende der Stadt, weil unser Sohn dort an einer Uni einen Aufnahmetest machen musste. Wir vertrieben uns die Zeit bis wir ihn wieder abholen konnten und gingen Kaffee trinken. Es war nett mal an einem anderen Ort der Stadt zu sein und umso überraschter waren wir, unsere Namen auf der Straße zu hören. Es war kaum Zeit, uns umzudrehen, da kam schon eine Truppe wilder Teenager auf uns zugestürmt. Der Wächter von dem Coffee Shop war bereits in Wächterstimmung. Es wirkte wie ein Überfall. Die zerlumpten Gestalten fielen uns um den Hals. Im Schlepptau wackelten zwei Kleinkinder, kahlgeschoren, identisch aussehend, verdreckt, verrotzt mit kritischem Blick hinter der Bande her. Dann fiel der Groschen: “Angie!“ Sie streckte mir ihren dicken, schwangeren Bauch entgegen. Ihr Gesicht wirkte wie das einer alten Frau. Keine Zähne mehr außer einiger schwarzer Stummeln, verklebte, lange Haare, stumpfe Augen…..Blitzschnell versuchte ich ihr Alter zu errechnen… Vor vielen Jahren war sie Kind im Father`s House gewesen. Damals müsste sie so um die dreizehn gewesen sein. Dann lief sie lief weg und wurde von der Straße aufgefressen. Irgendwann wurde sie schwanger. Das Baby verstarb wenige Tage nach der Geburt. Woran es starb, wissen wir nicht, doch Kinder sterben hier schnell, besonders wenn sie von Kindern geboren werden. Angie wurde wieder schwanger, diesmal mit Zwillingen…Genau das waren die Zwillinge, wovon der eine nun schreiend, mit den Füssen trampelnd vor einem Auto mitten auf der Fahrbahn lag. Der Fahrer des schicken Autos reagierte schnell und hielt sein Gefährt an. Angie verzog keine Miene. Sie ging auf die Straße, zerrte den Knaben an einem Arm in die Höhe, der strampelte laut schreiend, ließ sich aber von der Fahrbahn retten.
Wir waren bereits spät dran, denn um 12:00 Uhr sollten wir an der Uni sein, um unseren Sohn abzuholen. Thomas lud die Bande in unser neues Drop In Center THE ROCK ein. Das liegt zwar am anderen Ende von Metro Manila von ihnen aus, aber wer weiß…. Zumindest konnten wir uns wieder auffindbar machen, nachdem wir mit dem Father`s House vor vier Jahren in eine andere Ecke der Stadt gezogen sind, die Angie nicht kennt. Mittlerweile hatte der Wächter es geschnallt, dass uns die wilden Gestalten nichts antun wollten, sondern dass es sich sozusagen um alte Freunde handelte. Schnell suchten wir noch ein Fastfood Restaurant und bestellten der Truppe ein Mittagessen, bevor wir uns auf den Weg machten, um unseren Sohnemann abzuholen.
Ich bin immer wieder fasziniert von Gottes Wegen und wie er jedem einzelnen nachgeht. Er ist einfach Liebe und ich bete, dass Angie mit ihren Kindern und der dazu gehörenden Gang, SEINE Liebe erfährt!

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Was Ich Vom Nikolaus Lernen Kann


Gestern war der 6. Dezember: Nikolaus Tag! Weihnachten ist immer eine ganz besondere Zeit für uns in dem Dienst unter Straßenkindern in Manila. Das Father’s House wird schon im November festlich geschmückt. Obwohl wir seit mehr als 20 Jahre auf den Philippinen leben, können wir unsere deutschen Wurzeln nicht leugnen. Einige Traditionen sind Teil davon. Eine Tradition ist es, dass wir dem 6. Dezember "Nikolaus-Tag", eine besondere Aufmerksamkeit schenken. Meinen Kindern schenke ich Süßigkeiten mache ihnen kleine Geschenke, auch wenn sie mittlerweile fast erwachsen sind. Unsere Kinder im Father’s House kennen diesen spezielle deutsche Tradition auch schon. Sie stellen einen Schuh in der Nacht vom 5. zum Nikolaus auf die Treppe, damit er über Nacht mit Süßigkeiten gefüllt wird (natürlich wissen sie, dass die Haus Mutter und nicht der „Santa“ vorbei kommt).
Als ich über unsere Traditionen und unsere Liebe für die Weihnachtszeit nachdachte , inspirierte mich die historische Geschichte des Nikolaus. Er verlor seine Eltern auf tragische Weise in jungen Jahren und wuchs als Waise bei seinem Onkel auf. Der Nikolaus ... ein Waisenkind? Ja, es ist offenbar etwas Besonderes an Waisenkindern. Wenn wir die Biographien einiger wichtiger Personen ansehen, die in der Welt außergewöhnliche Dinge erreicht haben oder die besonderen Einfluss hatten (gut und schlecht!), finden wir heraus, dass viele von ihnen früh verwaist waren. Ein jüngstes Beispiel dürfte wohl Steve Jobs sein. Sankt Nikolaus verlor seine Eltern durch eine schreckliche Epidemie. Der Junge war sehr gottesfürchtig und als er Erwachsen war, wurde er Bischof. Er war für seinen Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit bekannt, für sein weiches Herz und für seine Liebe für Kinder. Es gibt viele Geschichten darüber, wie er bemerkenswerte Wunder der Versorgung erlebt hat und wie er den Armen half. Er war ein Mann des Gebets! Erstaunlich, nicht wahr?
Dann sah ich diesen wilden kleinen Stadt Dschungel Boy, der barfüßig auf unserem Father’s House Gelände herumsprang. Er trug riesige, stinkige und zerrissenen Kleider, hatte ein rasierten Kopf und war dünn wie ein Skelett. Ein Straßenjunge, rund acht Jahre alt, der unbedingt mit uns leben will und den wir gerade abgeholt hatten. Am Nikolaustag! Ich kenne seine Herkunft. Sein Vater wurde vor vielen Jahren von der Polizei erschossen, seine Mutter hat sich nie gekümmert. Er wuchs als Jüngster mit seinen Geschwistern auf der Straße auf. Jetzt ist er bei uns. Die erste Dusche gestern Abend war ein Genuss für ihn. So viel Wasser. Vernünftige Seife und saubere Klamotten zum anziehen. Seine erste Nacht in einem großen und sauberen Bett war auch eine neue Erfahrung für ihn. Ein weiteres Waisenkind lebt mit uns. Wer weiß, was erstaunliche Berufungen unserer Kinder haben. Sie haben das volle Potenzial, um große Dinge für Gott tun in dieser Welt. Wenn ich diese Geschichte des Nikolaus überdenke, liebe ich ihn umso mehr!

Dienstag, 6. Dezember 2011

Nikolaus Tag or What I Learned From Santa


Yesterday was December 6. Christmas is always a very special season for us in the ministry and the Father's House turns into castle of light. We live in the Philippines for more then 20 years, but we can't deny our German roots. Some traditions are part of it. One is that we give DECEMBER 6 "Nikolaus Tag" a special attention. I usually give little gifts to my kids; even they are already somewhat grown up. Also our kids in the Father's House know this special German day and they bring out one shoe in the night of the 5th for Nikolaus to fill it with goodies (of course they know that the house mother is filling the shoes).
As I was thinking about our traditions and our love for the Christmas season I got inspired with the actual historical story of Saint Nicholas. He tragically lost his parents at young age and grew up as an orphan. Santa...an...Orphan? Yes, there is evidently something special about orphans. When we look at biographies of some important people (latest example would be Steve Jobs) who influenced the world or who achieved extraordinary things in life, we find out that many of them were orphaned or half orphaned. Saint Nicholas lost his parents due to an epidemic and got raised by his uncle. The boy was very God fearing and when he was a grown up he became a Bishop. He was known for his desire for social justice, his soft heart of mercy and his love for kids. There are many stories on how he experienced awesome miracles of provision and how he helped the poor. Amazing, isn't it? Then I looked at this wild little city jungle boy that jumped around our Father's House compound. Barefoot. Huge and torn clothes, shaved head, skinny like a skeleton. A street boy, around eight years old who desperately wants to live with us. I know about his background. His father got shot many years ago by the police, his mother never cared, he grew up as the youngest with his siblings in the streets. Now he is with us. The first shower last night was pure excitement for him. So much water. Proper soap and clean clothes to wear after showering. His first night in a big and clean bed was also a new experience for him. Another orphan living with us. Who knows what amazing destinies our kids have. They have the full potential to do amazing things for God in this hurting world. Thinking about this, I love Santa all the more!