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Donnerstag, 21. April 2011

Tod, Wo Ist Dein Stachel? Hölle, Wo ist Dein Sieg?


Ich stand fassungslos vor dem großen Portrait einer wunderschönen Frau. Der Kopf kahl, die Augen strahlend. Ein Kloß bildete sich in meinem Hals. Mir war es nicht bewußt gewesen, dass die Frau für deren Heilung wir seit Tagen gebetet hatten, erst 42 Jahre alt war und dazu die Mutter von zwei kleinen Söhnen (4 und 6 Jahre alt). Ich kannte sie nicht persönlich, sie war die Schwester eines guten Freundes. Bis zu dem Blick auf ihr wunderschönes Foto und in die Gesichter ihrer Kinder und ihres Mannes, war sie nur ein "Fall", "ein Gebetsauftrag" gewesen. Nun wurde ihr Tod auch für mich eine Realität.
Anders als in Deutschland, werden auf den Philippinen sg. Totenwachen, normalerweise am Sarg oder an der Urne gehalten, wo in den Tagen bis zur Beerdigung die Familie und Freunde Abschied nehmen können. Hier war es der Abschied von einer Mutter, die 10 Jahre lang einen bitteren Kampf gegen Brustkrebs gekämpft hatte und elendig auf der Intensivstation gestorben war. Die Beerdigung war vergangenen Sonntag, wo Thomas und ich teilnahmen. Doch noch bevor ich angesichts des menschlichen Dramas in eine Depresstimmung fallen konnte, rüttelten mich die Worte eines schottischen Priesters auf :
" Die Show ist nicht zu Ende! Das Leben fängt doch nach dem Tod erst an!..." Die Stimmung in der kleinen Kapelle war sonderbar fröhlich und entspannt. Es wurden Loblieder zu Gott gesungen und jeder war sich sicher, dass die junge Frau nun an einem besseren Ort war. Sie hatte fest an Jesus geglaubt und an Ihm festgehalten bis zum Schuß.
Zeitgleich erfuhren wir, dass eine gute Freundin von uns in den gleichen Todeskämpfen steckte. Sie wurde erst knapp vier Jahre zuvor mit der Diagnose: "Brustkrebs!" konfrontiert. Dann folgten unzählige Behandlungen und Operationen. Mitunter ging es ihr wieder sehr gut. Sie wollte leben. Der nächste Tag, brachte uns die erschütternde Nachricht: auch ihr Körper war den Krebszellen, die in ihr wüteten, erlegen. Eine Mutter von vier Kindern! Frau eines Mannes, der sie liebte und mit ihr alt werden wollte. Freundin und Ratgeberin für viele. Ich war, wie viele andere, erschüttert. Seit ihrer Diagnose hatten wir für ihre Heilung gebetet, ihre gesundheitlichen aufs und abs mitverfolgt und geglaubt, dass ihr Körper wiederhersgestellt würde. Nun war sie plötzlich für immer gegangen! Für immer? Thomas und ich setzten uns am nächsten Tag ins Flugzeug, um an der Totenwache, die auf einer anderen Insel stattfand, teilzunehmen. Diesmal war uns sowohl die Verstorbene als auch ihre Familie persönlich nahe. Wir kennen uns seit über 20 Jahren und schätzen uns gegenseitig sehr. Wie in einem dejavue gerieten wir in das gleiche Scenario wie nur drei Tage zuvor: eine Kapelle und ein großes Portrait einer sehr schönen Frau, die viel zu früh, sehr elendig verstorben war und Mann und Kinder zurück gelassen hatte. Diesmal konnte ich mich der Trauer und des Schmerzes nicht erwähren. Welch ein Leid die Familie ertragen musste. Und doch, auch diese Kapelle füllte sich mit Lobgesang und einem Frieden, den man menschlich nicht begreifen kann. Jeder konnte erfassen, dass "die Show mit dem Tod nicht vorbei ist!", sondern das wahre Leben in der Ewigkeit erst beginnt. Der einzige Ort an dem eskeine Tränen, kein Leid und kein Geschrei mehr geben wird. Wo wir den treffen, der uns vom ewigen Tod erlöst hat und uns in die Ewigkeit geliebt hat. Es gibt keinen anderen Weg in den Himmel als durch das Sterben. Und dort wird er alle Tränen von unseren Augen abwischen. Dort hört das Fragen auf. Dort ist Freude in seiner Gegenwart. Dort gibt es ein Wiedersehen mit den vorausgegangenen Heiligen. Der Tod verliert die Endgültigkeit. Plötzlich entdecke ich gar etwas wie Neid in meinem Herzen: Meine Freundin hats geschafft! Sie ist angekommen! Sie ist zu Hause bei unserem Gott, dessen Liebe wir kaum erahnen können. Dort ist Herrlichkeit! Nun werden wir in den nächsten Tagen Ostern feiern. DIE AUFERSTEHUNG! Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Wir haben nichts zu fürchten, denn derjenige, der Jesus von den Toten erweckt hat, lebt in uns und wird uns durchbringen zur Herrlichkeit. Das Leben ist kurz. Ob 20, 40 oder 80 Jahre! Es bleibt kurz im Vergleich zur Ewigkeit. Die vergangenen Tage haben mir neu den Blick geöffnet für die Dimensionen in denen wir leben. Unser Leib ist nur eine vergängliche Hülle. Es geht um so viel mehr! Ich will mein Leben so leben, dass Menschen ein Stück Gottes Liebe in mir begegnen können solange wir auf dieser Erde sind. Ich will das Leben geniessen, dass Got mir geschenkt hat, solange wie ich es hier leben darf. Ich will keine für mich persönlich bestimmte, unerfüllten Aufgaben zurück lassen. Möge ich die Gnade dazu haben.