Powered By Blogger

Sonntag, 22. August 2010

Schreie in der Nacht



„Huuuuaaaaahh....“, war der schrille, jede Nacht neue Schrei Ende 1994 und die meisten Nächte in 1995. Damals war ich noch ledig und war zusammen mit einer Mitarbeiterin und unseren drei Kindern in eine kleine Wohnung am Stadtrand von Manila, in der Nähe unseres Reha Zentrums, gezogen. Unzähligen Male taumelte ich, aufgeweckt durch schrilles Kindergeschrei, schlaftrunken durch die kleine Wohnung, in das Schlafzimmer der Kinder. Dann Stille. Zwei große dunkle Augen starrten mich nur an. Kein Ton. Stille. Sobald ich mich wieder umdrehte, kam ein Wimmern hinter mir her. Erschöpft setzte ich mich neben Johanna bis sie wieder eingeschlafen war. Die beiden anderen schliefen meistens fest bis in den frühen Morgen. Das änderte sich eines Nachts.



Erbärmliches und verschrecktes Babygeschrei riss mich diesmal aus dem Schlaf. Es war Jake. Als ich ihn aufnahm, um ihn zu beruhigen, schauten mich wieder die großen Augen von Johanna an. Jake hörte auf zu weinen und ich legte mich wieder hin, nur um eine halbe Stunde später wieder aufzustehen. Diese Routine zog sich durch viele Nächte bis ich dachte: Komisch, Jake hat doch vorher nie geschrien, sondern nur Johanna. Sie war ab dann immer still, aber jedes Mal wach, wenn ich an getaumelt kam, um Jake um trösten. Eines Nachts bekam ich dann mit, dass Johanna Jake so feste kniff, dass er aus dem Schlaf vor Schmerz aufschrie. Das war also ihre Geheimwaffe. Sie wollte lieber, dass Jake mich herbei schrie, als dass sie sich selbst bemerkbar machen musste. Die Angst vor dem Alleinsein und der Dunkelheit hatte sie fest im Griff. Es brauchte einige Jahre, bis sie diese Furcht überwunden hatte. Heute ist sie eine der mutigsten jungen Frauen, die ich kenne und Dunkelheit macht ihr nichts mehr aus. Gerade hat sie ein freiwilliges soziales Jahr in einem Kindergarten für Straßenkinder in Manila angefangen. Die Kinder (und nicht nur die Kinder!!!) lieben sie und mir kommen manchmal immer noch die Tränen, wenn ich an die Wunder denke, die unser Gott in ihrem Leben getan hat.



Barmherzigkeit und Freundlichkeit strahlt aus ihr heraus, sie ist ein echtes Geschenk!