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Samstag, 26. November 2011

Joy, unspeakable Joy! Freude, unaussprechliche Freude!

“Ich werde dir etwas ganz tolles zu Weihnachten schenken. Es wird eine Überraschung sein. Du wirst dich so freuen über das Bild das ich male und was ich dir schreiben werde. Ich packe das dann auch schön ein!“ zischt die Kleine vor mir durch ihre Zahnlücke, dabei grinst sie übers ganze Gesicht und ich frage mich, ob sie mich überhaupt noch sehen kann durch die Schlitze in ihren Augen. Sie ist erst seit wenigen Tagen bei uns. Ich kann die Freude und Begeisterung gar nicht fassen, die sie ausstrahlt. Es ist direkt ansteckend. Es scheint als sei sie schon immer bei uns gewesen und doch ist sie neu und waren die sieben Jahre ihres kleinen Lebens der reinste Horror gewesen. Sie hatte ihre Schwester gedrängt:“ ich will ins Father’s House!“ und das, obwohl sie noch nie bei uns war und niemanden von unseren Mitarbeitern persönlich kannte. Sie kannte uns nur vom Hören Sagen. Ihre Tante, die selbst als Kind mal bei uns war, hatte ihr von dem Leben im Father’s House erzählt. Das hatte ihr gereicht, um einen Weg aus ihrer Verlassenheit zu sehen. Ein sieben jähriges Mädchen!
Ich erinnere mich an die Umstände ihrer Geburt. Ihre Mutter war mit einem älteren Wachmann liiert, während ihr Mann, mit dem sie bereits 5 Kinder hatte, im Knast saß. Alle Kinder hassten diesen „neuen Mann“ der Mutter, hatten aber keine andere Wahl als sich mit ihm zu arrangieren. Selbst als er der Tochter an die Wäsche ging, gab es keine andere Wahl für die Kinder als sich ihrem Schicksal zu fügen. Sie waren noch zu jung, um selbst auf der Straße überleben zu können. Dann kam dieses Baby zur Welt. Es war von den Geschwistern gehasst. Selbst ich erinnere mich an meine Gefühle als ich die Kleine zum ersten Mal sah. Normalerweise bin ich zu allen Babies hingezogen, doch hier entdeckte ich selbst in mir etwas wie Widerwillen. Wie furchtbar! Ich schämte mich dafür. Was kann ein Kind für diese Tragödie? Ein kleines unschuldiges Baby, belastet mit so viel Ablehnung. Dann geschah das entsetzliche. Der Mann und Vater der fünf ersten Kinder, wurde aus dem Gefängnis entlassen, suchte sich einen finsteren Kumpel, bewaffnete sich mit einer Spitzhacke und suchte seinen Liebesrivalen auf. Fast alle Kinder rannten mit der Mutter aus der armseligen Hütte, um dem Horrorszenario zu entfliehen. Es folgte eine blutige Schlacht, die der Wachmann nicht überlebte. Der fünffache Vater verschwand nach diesem Blutbad im Untergrund. Nach einiger Zeit tauchte er wieder auf und zog zu der Familie als sei nichts vorgefallen. Einen Prozess gab es nicht! Das Baby, ein verhasstes Überbleibsel aus der Affäre. Die Mutter schnappte sich den Reisepass ihrer Schwester, die wie gesagt, früher mal bei uns gelebt hatte. Für einen Einsatz in die Mongolei hatten wir ihr einen Reisepass beantragt gehabt. Nachdem sie uns wegen einer Liebschaft verließ, landete der Pass bei der Schwester. Sie schaffte es tatsächlich mit der falschen Identität nach Saudi Arabien zu fliegen, um dort zu arbeiten. Damals bekam ich einen verzweifelten Anruf auf mein Handy:“Ate Petra, bitte hilf mir…die halten mich hier fest! Ich will nach Hause. Ich habe keine Papiere!“ Der Pass der Schwester war abgelaufen und somit saß die sechsfache Mutter in Saudi Arabien in der Tinte. Nicht nur war der Pass abgelaufen. Es war auch noch ein Pass mit falscher Identität. Durch die Hilfe der philippinischen Botschaft kam sie irgendwie nach Manila zurück. Es wurde nicht einmal Anzeige erstattet.
Die Kinder waren mittlerweile verkommen und vagabundierten umher. Anfang dieses Jahres bekamen wir die Botschaft, dass der Vater plötzlich verstorben sei. Keinen Schimmer, was passiert ist. Mit dem Tod des Peinigers war die Mutter wieder frei und verschwand oft tagelang. Die ältere Schwester nahm sich des so verachteten Nesthäkchens an. Die immer noch minderjährigen Jungs kämpften sich auf der Straße durch. Alle drei sind mittlerweile im Knast bzw. in einer Regierungsauffangstelle. Einer wurde adoptiert. Dann hörten wir von den Hilferufen der Mädchen. Und jetzt sind sie da. Voller Freude. Voller Begeisterung. In aufgeregter Erwartung auf das Weihnachtsfest.